Bewertung · Die Methoden

Bewertungsmethoden: was Ihre Firma wert ist, dreimal gerechnet

Wer nur eine Methode rechnet, glaubt ihr zu viel. Hier stehen drei Methoden, eine ehrliche Range und der Unterschied, der am meisten Verwirrung stiftet: Steuerwert gegen Marktwert.

10.00 Prozent

Kapitalisierungssatz 2025 nach Rz 10 Kreisschreiben 28, ESTV-Kursliste.[2]

rund 6 x EBIT

durchschnittlicher Multiple über Branchen und Grössen, monatlich aktualisiert.[4]

30 Prozent

Pauschalabzug für Minderheitsbeteiligungen bis 50 Prozent des Kapitals.[3]

Methode eins: der Ertragswert

Der Ertragswert kapitalisiert den nachhaltigen, um ausserordentliche Positionen bereinigten Reingewinn.[1] Der Nenner ist der Kapitalisierungssatz nach Rz 10 des Kreisschreibens 28, publiziert in der Kursliste der ESTV: für das zuletzt publizierte Bewertungsjahr 2025 sind es 10.00 Prozent.[2] Ein bereinigter Gewinn von 200'000 Franken ergibt so einen Ertragswert von 2 Millionen Franken. Der Satz ändert jährlich, der Wert mit ihm: genau deshalb gehört zu jeder Ertragswert-Zahl das Bewertungsjahr.

Methode zwei: die Praktikermethode (Kreisschreiben 28)

Der Standard der Steuerverwaltungen mischt Ertrag und Substanz: Unternehmenswert gleich zwei mal Ertragswert plus Substanzwert, geteilt durch drei.[1] Sie dämpft Ausreisser in beide Richtungen und ist die Basis des Steuerwerts nicht kotierter Firmen. Für Minderheitsbeteiligungen, in der Regel bis und mit 50 Prozent des Gesellschaftskapitals, sieht das Kreisschreiben zusätzlich einen Pauschalabzug von 30 Prozent vor.[3]

Methode drei: Marktwert-Multiples

Was Käufer tatsächlich bieten, zeigen publizierte Multiples: im Durchschnitt über Branchen und Grössen rund 6 mal EBIT, rund 5.5 mal EBITDA und rund 0.9 mal Umsatz, monatlich aktualisiert.[4] Multiples sind der Marktblick, aber Durchschnitte: Branche, Grösse, Wachstum und die Abhängigkeit vom Inhaber verschieben den konkreten Fall deutlich.

Steuerwert ist nicht Marktwert

FrageInstrumentWozu
Was rechnet die Steuerverwaltung?Praktikermethode (KS 28)Vermögenssteuerwert, Schenkung, Erbteilung
Was ist betriebswirtschaftlich drin?Ertragswert, bereinigtInnere Messlatte, Basis der Verhandlung
Was zahlt der Markt?Multiples, aktuelle AngebotePreisrahmen für den Verkauf
Der praktische Weg: alle drei Methoden mit Ihren Zahlen rechnen und die Spanne anschauen, nicht den Einzelwert. Genau das macht der Firmenwert-Rechner, jede Methode mit offengelegter Quelle; die Einordnung für Ihren Fall übernimmt das diskrete Erstgespräch.

Wo die Bewertung im Verkaufsprozess steht und was danach kommt: der Ablauf. Was der Wert steuerlich auslöst: Steuern beim Firmenverkauf.

Häufige Fragen zu den Bewertungsmethoden

Warum liefern die Methoden so unterschiedliche Werte?

Weil sie verschiedene Fragen beantworten. Der Ertragswert kapitalisiert den bereinigten Gewinn, die Praktikermethode mischt Ertrag und Substanz im Verhältnis zwei zu eins, Multiples spiegeln, was Käufer aktuell zu zahlen bereit sind. Ein Handwerksbetrieb mit viel Substanz und wenig Gewinn sieht in jeder Methode anders aus. Die ehrliche Antwort ist darum eine Range, kein Punktwert.

Was ist die Praktikermethode genau?

Die Formel aus dem Kreisschreiben 28 der Steuerkonferenz: Unternehmenswert gleich zwei mal Ertragswert plus einmal Substanzwert, geteilt durch drei. Der Ertragswert ist der kapitalisierte, um ausserordentliche Positionen bereinigte Reingewinn. Sie ist der Standard der Steuerverwaltungen und ein solider Startpunkt, aber kein Marktpreis.

Welcher Kapitalisierungssatz gilt aktuell?

Der zuletzt publizierte ist der für das Bewertungsjahr 2025: 10.00 Prozent, nach 8.75 Prozent für 2024. Die Schweizerische Steuerkonferenz publiziert den Satz je Bewertungsjahr im Kommentar zum Kreisschreiben 28, und der neueste Kommentar ist derjenige für 2025. Der Satz ändert jährlich, und er wirkt stark: derselbe Gewinn von 200'000 Franken ergibt bei 10 Prozent einen Ertragswert von 2 Millionen, bei 8.75 Prozent fast 2.3 Millionen. Deshalb gehört zu jeder Ertragswert-Zahl das Bewertungsjahr dazu.

Und was zahlt der Markt wirklich?

Publizierte Kaufangebots-Multiples für Schweizer KMU liegen im Durchschnitt bei rund 6 mal EBIT, 5.5 mal EBITDA und 0.9 mal Umsatz, monatlich aktualisiert. Ihr konkreter Fall hängt von Branche, Grösse und Abhängigkeit vom Inhaber ab; deshalb rechnet der Rechner mit einer Range und das Erstgespräch ordnet sie ein.

Quellen

  1. Das Kreisschreiben 28 ist die Wegleitung der Schweizerischen Steuerkonferenz, also der Vereinigung der kantonalen Steuerverwaltungen und der ESTV, zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer; es ist damit die Bewertungsgrundlage der Steuerbehörden für nicht kotierte Unternehmen. Praktikermethode: Unternehmenswert U = (2 x Ertragswert + Substanzwert) / 3 (Rz 34). Der Ertragswert ist der kapitalisierte, um ausserordentliche Positionen bereinigte Reingewinn (Rz 8 und 9). Quelle: Schweizerische Steuerkonferenz SSK, Kreisschreiben Nr. 28, Wegleitung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert (Fassung 2022). https://www.ssk-csi.ch/fileadmin/dokumente/kreisschreiben/KS_28_d_2022.pdf (abgerufen 2026-08-10)
  2. Kapitalisierungssatz nach Kreisschreiben 28 Rz 10, Jahresreihe: Bewertungsjahr 2021 9.50 Prozent, 2022 8.50 Prozent, 2023 7.75 Prozent, 2024 8.75 Prozent, 2025 10.00 Prozent. Der Satz berechnet sich aus dem Durchschnitt der ungerundeten Sätze der letzten drei Jahre, aufgerundet auf das nächste Viertelprozent, und gilt für das nachfolgende Steuerjahr; er wird laut Rz 10 Absatz 5 jährlich in der Kursliste der ESTV publiziert. Zuletzt publiziertes Bewertungsjahr per Abrufdatum: 2025, weil die SSK als neuesten den Kommentar 2025 zum KS 28 führt. Quelle: Schweizerische Steuerkonferenz SSK, Kommentar zum Kreisschreiben Nr. 28 (Fassung 2025), Rz 10 mit PRAXIS-Tabelle. https://www.ssk-csi.ch/fileadmin/dokumente/kreisschreiben/KS_28_-_Kommentar_D_-_2025.pdf (abgerufen 2026-08-12)
  3. Für Minderheitsbeteiligungen (in der Regel bis und mit 50 Prozent des Gesellschaftskapitals) sieht das Kreisschreiben 28 einen Pauschalabzug von 30 Prozent vor (Rz 61 und 62). Quelle: SSK, Kreisschreiben Nr. 28 (Fassung 2022), Rz 61-62. https://www.ssk-csi.ch/fileadmin/dokumente/kreisschreiben/KS_28_d_2022.pdf (abgerufen 2026-08-10)
  4. Publizierte Kaufangebots-Multiples für kleine und mittlere Unternehmen, monatlich aktualisiert: im Durchschnitt über Branchen und Grössen rund 6 x EBIT, rund 5.5 x EBITDA und rund 0.9 x Umsatz. Quelle: NIMBO, Umsatz- und EBIT-Multiples für KMU (monatliche Publikation). https://www.nimbo.net/multiples (abgerufen 2026-08-10)

Drei Methoden gerechnet? Dann jetzt die Range einordnen, diskret.